Reha-Zentrum am Meer - Bad Zwischenahn
Bad Zwischenahn am Meer

REHA-ZENTRUM AM MEER
Klinik für Orthopädische und Rheumatologische Rehabilitation

Klinik für Onkologische Rehabilitation

Unter den Eichen 18
26160 Bad Zwischenahn

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Reha-Zentrum am Meer - TOP REHAKLINIK 2017

Reha-Zentrum am Meer - TOP REHAKLINIK 2017



VNR aktuell

Vergessene Patienten

5. Oktober 2020: Versorgung von Reha-Patienten dramatisch eingebrochen - VNR und HBV fordern Verlängerung des Rettungsschirms der Bundesregierung

Wer bekommt die notwendige Behandlung nach einem Krankenhausaufenthalt und wer muss darauf warten oder gleich ganz verzichten – mit gravierenden Folgen für die eigene Gesundheit? Vor dieser Entscheidung stehen aktuell zahlreiche Rehabilitationskliniken in ganz Deutschland. Durch die Corona bedingten notwendigen Hygienekonzepte und strengen Auflagen können nur rund zwei Drittel der Betten belegen werden. Trotzdem stellen viele Rehakliniken 100 Prozent ihrer Leistungen zur Verfügung. Jetzt wurde auch noch der Rettungsschirm der Bundesregierung für die Reha-Einrichtungen am 30. September beendet.

„Ein unhaltbarer Zustand“, sagt Dr. Norbert Hemken, Vorstandsvorsitzender des Verbundes Norddeutscher Rehakliniken und Vorsitzender des Heilbäderverbandes Niedersachsen e. V. „Wir appellieren mit Nachdruck an die Verantwortlichen, den Rettungsschirm zu verlängern. Nur so kann das Ende von vielen Reha-Einrichtungen in Deutschland verhindert werden.“

Auch die in der Arbeitsgemeinschaft Medizinische Rehabilitation SGB IX (AG MedReha) zusammengeschlossenen Spitzenverbände der Reha-Leistungserbringer warnen vor den Folgen, wenn der Rettungsschirm im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung für die Reha-Einrichtungen nicht verlängert wird. Zahlreiche Reha-Einrichtungen hätten nach Aussage der AG MedReha die Einnahmeausfälle ohne Rettungsschirm nicht überlebt.

Die Bundesregierung verweist ihrerseits auf verschiedene Zuschläge für die Reha. „Damit ist das Kernproblem nicht gelöst“, ergänzt Dr. Norbert Hemken. Viele Aspekte seien hier nicht berücksichtigt. So ist beispielsweise eine Finanzierung für leere Betten nicht vorgesehen. Zuschläge für Sachkosten im Hygienebereich greifen nur für anwesende Patienten, nicht aber, wenn die Betten nicht belegt werden können. Für Verhandlungen mit den Krankenkassen fehlen die gesetzlichen Grundlagen.

Der Verbund Norddeutscher Rehakliniken und der Heilbäderverband Niedersachsen e. V. fordern daher einheitlich, die Ausgleichszahlungsregelung des § 111d Absatz 8 SGB V für stationäre Reha-Einrichtungen durch Rechtsverordnung über den 30. September 2020 hinaus zu verlängern oder Erlösausgleichsregelungen zu schaffen, analog des kürzlich beschlossenen Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) für Krankenhäuser. Gleichzeitig müssen dringend analoge Lösungen für ambulante Reha-Einrichtungen eingeführt werden, welche bislang im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht vorgesehen waren.

„Am Ende stehen nicht nur die Rehakliniken vor einem Dilemma. Auch die Reha-Patienten werden einfach vergessen“, sagt Dr. Norbert Hemken. „Für einen Patienten, der direkt aus dem Krankenhaus kommt und nicht unmittelbar in die empfohlene Rehabilitation verlegt wird, kann dies gravierende Folgen haben. Und die langfristigen Kosten für unser Gesundheitssystem steigen.“

Auf links gedreht

1. Oktober 2020: Die Pandemie zwingt die deutschen Rehakliniken, ihren (Therapie-)Alltag radikal umzubauen. Ein Wandel ist überfällig, doch nach der Phase des quasi verordneten Leerstands sind viele Häuser ohnehin angezählt. Von einer neuen Normalität ist der Sektor weit entfernt.

Therapiearbeit im Krisenmodus entwickelt sich für deutsche Reha-Manager zum Albtraum ohne absehbares Ende. Die Belastung für die Häuser ist enorm. Sie müssen Abstandsregeln einhalten, Gruppen verkleinern, die Verpflegung umorganisieren, patientennahe Behandlungen umstellen und ihr Angebot einschränken. Zudem dürfen sich stationäre und ambulante Patienten nicht begegnen, weshalb viele ambulante Behandlungen erst gar nicht stattfinden. Hinzu kommt deutlicher Mehraufwand beim Personal – vom medizinischen Team bis hin zu Service und Reinigung. Auch Corona-Tests für neue Patienten und Mitarbeiter verursachen zusätzliche Material-, Transport- und Laborkosten.

„Es wurde alles auf Links gedreht“, sagt Dr. Norbert Hemken, Vorstand des Verbunds Norddeutscher Rehakliniken (VNR): „Trotzdem arbeiten die Kliniken momentan nur mit einer Auslastung von 60 bis 80 Prozent, müssen aber 100 Prozent der Kosten stemmen.“ Die Crux dabei: Die Pflegesätze seien auf 95 Prozent Auslastung kalkuliert. Thomas Bublitz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken (BDPK), fordert für die Rehakliniken denn auch „einen angemessenen Corona-Zuschlag – am besten einen, mit dem ihre Leistungen bezahlt werden“. Das sei „sinnvoller und besser investiert als eine Leerstandspauschale“.

Hohe Mehrkosten

Regelrecht enttäuscht klingt Dr. André M. Schmidt angesichts der aktuellen Situation: „Nachdem uns in der Corona-Krise als Backup der Akuthäuser eine derart starke Rolle übertragen wurde, ist es für mich umso unverständlicher, dass wir von der Gesetzlichen Krankenversicherung und den politisch Verantwortlichen jetzt wieder vergessen werden“, klagt der Vorsitzende der Geschäftsführung von Median. Um eine sichere Reha zu gewährleisten, habe die Unternehmensgruppe – mit 120 Häusern größter privater Reha-Anbieter in Deutschland – zahlreiche Maßnahmen außerhalb des medizinischtherapeutischen Bereichs getroffen. Das führe zu täglichen Mehrkosten zwischen 15 und 20 Euro pro Rehabilitand, „die uns nicht erstattet werden“. Es brauche „ein klares Bekenntnis von Politik und Kostenträgern und eine eindeutige gesetzliche Grundlage“, fordert Schmidt.

Auch Norbert Hemken kann sich beim Thema Finanzen schnell in Rage reden. Insbesondere der Corona-Zuschlag von acht Euro pro Patient und Belegungstag für zusätzlichen Sachaufwand, den die Deutsche Rentenversicherung im Juli beschlossen hat, „bilde die Situation nicht annähernd ab“. Zudem sei der Kostendruck in den Verhandlungen, die jede einzelne Reha-Einrichtung mit jeder einzelnen Krankenkasse führen muss, unverändert. „Da findet Corona gar nicht statt“, ärgert sich Hemken.

Insgesamt ist der VNR-Vorstand überzeugt, dass sich „Reha generell ändern wird – bei Aufstellung, Geist und Trägervielfalt“. Je nach Dauer der Corona-Krise und der Art ihres jeweiligen Angebots „werden Einrichtungen auf der Strecke bleiben“, glaubt Hemken. Die 16 zumeist privat geführten und kettenunabhängigen Häuser mit knapp 4 300 Mitarbeitern, die sein Verbund vertritt, nimmt er von seiner Prognose zwar „ausdrücklich“ aus. Doch auch bei ihnen sei die Situation angespannt, denn die Krise nimmt Betten vom Markt: „Wir können nicht alle Patienten aufnehmen und müssen ablehnen.“

Lange Wartelisten

Das betreffe nicht nur die Reha als Heilverfahren ohne vorherigen Krankenhausaufenthalt, zum Beispiel bei Rückenproblemen. Auch bei den Anschlussheilbehandlungen (AHB), die spätestens innerhalb von 14 Tagen nach einem stationären Klinikaufenthalt beginnen müssen und branchenweit rund 40 Prozent aller Reha-Maßnahmen ausmachen, gebe es Engpässe. Allein im Reha-Zentrum am Meer in Bad Zwischenahn, dessen Geschäftsführer Hemken ist, bleiben Coronabedingt 85 der 460 Zimmer leer. Lange Wartelisten und entsprechende Beschwerden seien die Folgen.

Reha unter Corona-Bedingungen stelle so manche Klinik vor große Probleme, bestätigt Christian Wallwiener, Geschäftsführer der Unternehmensberatung WMC Healthcare in München – „vor allem aus den Reihen der kleineren Gruppen“. Der deutsche Reha-Markt ist starkt fragmentiert, viele Anbieter haben nur ein bis drei Häuser. Hinzu kommt die Sorge vor einer neuen Welle: „Viele sind unsicher, ob sie das noch einmal schaffen könnten.“ Die Anbieter haben versucht, Kosten zu reduzieren und dabei teilweise auch Personal abgebaut – „vor allem in nicht-medizinischen Bereichen“, sagt Wallwiener.

Mit Blick auf die Politik halte er bei bestimmten, für die Versorgung notwendigen Angeboten auch eine Art Sicherstellungszuschlag wie bei den Krankenhäusern für denkbar – zumindest zeitweise, „denn dieser Teil der Versorgungskette darf nicht wegbrechen“. Grundsätzlich allerdings wird jetzt umso deutlicher, dass notwendige Änderungen zu wenig vorangetrieben wurden. Reha in Deutschland laufe noch zu sehr traditionell ab, sagt Wallwiener und denkt an mehr ambulante Reha und telemedizinische Lösungen. „Die neuen Angebote müssen zügiger entwickelt und umgesetzt werden – auch mit Anreizen der Kostenträger.“ Für ihn ist absehbar, „dass 20 bis 30 Prozent der stationären Kapazitäten in der Zukunft so nicht mehr bestehen, sondern stattdessen in neue Konzepte fließen könnten“.

Für die Branche heißt das, sie muss umdenken und auch investieren – in neue Raumstrukturen für Gruppenkonzepte zum Beispiel, aber vor allem in das Thema Digitalisierung. Für die Begrüßung der Patienten oder abendliche Vorträge etwa bieten sich digital aufbereitete Beiträge an, sagt Mediclin-Vorstandschef Volker Hippler. Zudem arbeite sein Unternehmen intensiv an digitalen Reha-Lösungen. An einem Standort mit orthopädischem Behandlungskonzept etwa sei die Therapie aufgezeichnet worden, die Patienten sehen ihre Übungen jetzt auf Bildschirmen in ihren (Einzel-)Zimmern. Derweil gehen Therapeuten von Raum zu Raum, um die therapeutischen Maßnahmen zu begleiten, beschreibt Hippler: „Diese Interaktion sorgt für ein Gruppengefühl und damit für mehr Normalität.“ Auch an Apps für die Nachbetreuung der Patienten werde gearbeitet. Wichtig sei, all das langfristig zu denken, betont Hippler: „Nur so schaffen Rehakliniken den Weg in eine neue verantwortungsvolle Normalität.“

Telemedizin in der Nachsorge steht bei Median jetzt ebenfalls auf der Agenda. „In der Krise haben wir schnell dazugelernt“, sagt André Schmidt. Zudem seien vorhandene Systeme hochgefahren worden – etwa ein App-basiertes Training, das vor der Krise nur in ausgewählten Einrichtungen im Einsatz war. Innerhalb weniger Wochen sei es in allen Median-Kliniken verfügbar gewesen. „Außerdem haben wir diverse Vortragsinhalte als Videos auf unserer Onlineplattform für Patienten bereitgestellt“, erklärt Schmidt: „Hiervon werden wir auch dauerhaft profitieren.“

Mittelfristig gelte es jetzt, Rentenversicherungsträger und Krankenkassen von den neuen Ideen zu überzeugen, betont Mediclin-Chef Hippler. Mit der bisherigen Vergütung weiterzuarbeiten, sei jedenfalls keine Lösung. Für sein Unternehmen habe es sich zudem bewährt, nicht zu viel anzubieten, sondern sich auf einige Stärken zu konzentrieren. Mediclin fokussiere sich in seinen 36 Kliniken auf die Themen Herz, Kopf, Alter und Bewegung – und setze auf die Kombination von Akut- und Rehabilitationskliniken, sagt Hippler: „Davon profitieren wir jetzt.“

Auch VNR-Vorstand Hemken sieht bei aller Brisanz der Lage etwas Positives. Die Pandemie habe die Branche „aus dem Nischendasein mehr in die Öffentlichkeit gerückt“, sagt er. Dabei erlebte er die Zusammenarbeit mit anderen Geschäftsführern und den Verbänden „als sehr positiv“ – gerade als es darum ging, den Rettungsschirm auf die Reha auszudehnen: „Wir haben bewiesen, dass wir eine Stimme haben und zusammenstehen – und das wird auch erhalten bleiben.“

VNR im Gespräch

9. September 2020: Lars Klingbeil (SPD, MdB) stellt sich den Fragen des VNR

Zu den laufenden Verhandlungen in der Gesundheitspolitik hat sich jetzt Lars Klingbeil, Generalsekretär der SPD und Mitglied des Deutschen Bundestages, unter anderem mit Vertretern des Verbundes Norddeutscher Rehakliniken (VNR) in der Klinik Fallingbostel getroffen. In einem gemeinsamen Gespräch wurde über das Krankenhauszukunftsgesetz und die geforderte Berücksichtigung der Rehakliniken in diesem milliardenschweren Zukunftsprogramm diskutiert. Lars Klingbeil war an den Vorbereitungen zum Konjunkturprogramm beteiligt und hat sich in den vergangenen Jahren auf Bundesebene dafür eingesetzt, dass der Bund in die Krankenhausfinanzierung einsteigt.

Konkret ging es um folgende Gesprächsinhalte:

Leerstandsfinanzierung der Ersatzkrankenhäuser:

Der VNR fordert, die Leerstandsfinanzierung der Ersatzkrankenhäuser in Niedersachsen klar zu regeln. Sowohl das personelle Know-How und die Strukturen werden vorgehalten und die laufenden Kosten steigen. Die Corona-bedingten Mindereinnahmen in den Rehakliniken, die ein Ersatzkrankenhaus stellen, wurden durch die Aufnahme von „Nicht-Corona Fällen“ aus den Akuthäusern lediglich abgefedert, aber nicht aufgefangen.

Verlängerung der Bestimmung der Ersatzkrankenhäuser:

Da die Ausbruchgefahr weiterhin besteht, muss auch die Möglichkeit der Einbeziehung der Rehabilitationseinrichtungen für nicht aufschiebbare akutstationäre Krankenhausversorgungen weiterhin bestehen. Der VNR sieht daher die Notwendigkeit, die Bestimmung von Rehakliniken als Ersatzkrankenhäuser über den 30.9. hinaus, mindestens um sechs Monate zu verlängern.

Gesetzespaket Deutsche Rentenversicherung:

Generell begrüßt der VNR den Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, der das Ziel verfolgt, Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Diskriminierungsfreiheit und Gleichbehandlung bei der Beschaffung medizinischer Rehabilitationsleistungen durch die Träger der Rentenversicherung zu gewährleisten. Allerdings wird der Gesetzentwurf aus Sicht des VNR dem Anspruch inhaltlich nicht gerecht. Kritisiert werden insbesondere die einseitige Führungsrolle der DRV und das fehlende Mitspracherecht der Leistungsträger. Die Verhandlungsposition der Leistungserbringer und ihrer Verbände, dazu gehört der VNR, wird mit dem Gesetzentwurf vollständig negiert. Die zum Beispiel vorgesehenen Einheitspreise bedrohen aus Sicht des VNR viele Rehakliniken in ihrer Existenz. Qualität hat seinen Preis.

Corona-Zuschlag für DRV und GKV:

Auch der Corona-Zuschlag der Kostenträger für die Leistungserbringer muss laut VNR neu geregelt werden. Für die Deutsche Rentenversicherung beträgt der Zuschlag derzeit 8,- Euro pro Tag. Auskömmlich wären nach einem Gutachten der AG MedReha 30,- € pro Tag.

Angebote für Corona-Genesene:

Laut VNR sollte es unterschiedliche Angebote für Corona-Genesene geben. Spezielle Angebote von Rehakliniken sollten von den Kostenträgern unterstützt werden. Dazu würde auch die ambulante Badekur gehören, die durch die gesetzliche Krankenkasse zu genehmigen wäre, wenn die medizinischen Voraussetzungen erfüllt sind. Aus diesem Grunde sollte eine ambulante Badekur zur gesetzlichen Soll-Leistung werden und nicht von der Großzügigkeit von Krankenkassen abhängen.

Dr. Norbert Hemken, Vorstandsvorsitzender des Verbundes Norddeutscher Rehakliniken, geht positiv aus dem konstruktiven Gespräch mit Lars Klingbeil, der die besprochenen Inhalte intern zur Diskussion stellen will: „Die Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland leisten einen immens wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung. Damit dieser weiterhin gewährleistet werden kann, zählt jede Unterstützung.“

Zukunftsgesetz mit Lücke

3. September 2020: VNR fordert Berücksichtigung der Rehakliniken im Krankenhauszukunftsgesetz

Die Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland leisten mit ihrer hohen medizinischen Kompetenz seit vielen Monaten solidarisch ihren Beitrag in der herausfordernden Zeit der Corona-Pandemie. Dazu gehören auch die Kliniken aus dem Verbund Norddeutscher Rehakliniken (VNR).

Über 70 Prozent der Maßnahmen in den Rehakliniken beziehen sich auf eine Anschlussleistung an einen Krankenhausaufenthalt. Da die Fallzahlen in den Krankenhäusern insbesondere für planbare Operationen in den letzten Monaten deutlich unter dem Niveau des Regelbetriebs vor der Corona-Pandemie lagen, sind auch die Auslastungen in den Rehakliniken stark betroffen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Mit dem Krankenhauszukunftsgesetz verschaffte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Krankenhäusern jetzt ein milliardenschweres Investitionsprogramm. Zwischen dem 1.10.2020 und 31.12.2021 sollen Krankenhäuser zudem Zuschläge zur Finanzierung coronabedingter Mehrkosten vereinbaren können. Der Verbund Norddeutscher Rehakliniken fordert, eine Regelung für diesen Erlösausgleich analog für die Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland zu verabschieden. Darüber hinaus sollte die Möglichkeit, Rehakliniken zu Ersatz-Krankenhäusern zu benennen, verlängert werden. Auch einige zum Verband gehörende Fachklinken nutzen aktuell diese Möglichkeit und haben „Nicht-Corona Fälle“ aus den Akuthäusern unbürokratisch aufgenommen.

Die Finanzergebnisse der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) weisen für das 1. Halbjahr 2020 bereits einen Ausgabenrückgang für Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen von 15,5 Prozent aus. Zudem werden die Behandlungskapazitäten in den Rehakliniken genau wie in Krankenhäusern durch Hygienemaßnahmen und Auflagen der örtlichen Gesundheitsdienste zum Schutz vor Infektionen mit dem SARSCoV-2-Virus eingeschränkt. „Die Rehakliniken in Deutschland leisten einen immens wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung“, sagt Dr. Norbert Hemken, Vorstandsvorsitzender des Verbundes Norddeutscher Rehakliniken. „Wir fordern daher analog des Krankenhauszukunftsgesetzes, dass ebenfalls potenzielle coronabedingte Erlösausfälle und coronabedingte Mehrkosten in den Rehakliniken im Bedarfsfall ausgeglichen werden.“ Andernfalls sehe er viele Rehakliniken in ihrer Existenz gefährdet. Dies würde für den Patienten einen Wegfall der Anschlussleistung bedeuten. Darüber hinaus würde der Aufwand für die Pflege stark ansteigen. „Da die Ausbruchgefahr weiterhin besteht, muss auch die Möglichkeit der Einbeziehung der Rehabilitationseinrichtungen für nicht aufschiebbare akutstationäre Krankenhausversorgungen weiterhin bestehen“, ergänzt Dr. Norbert Hemken.

Interview Dr. Norbert Hemken

4. Juni 2020: Dr. Norbert Hemken in einem Interview zur aktuellen Situation von Rehabilitanden in der Corona-Situation

Lassen sich während der Corona-Krise Reha-Patienten genauso versorgen wie in regulären Zeiten?

Dr. Norbert Hemken: Die Qualität der medizinischen Behandlungen in den Rehakliniken unseres Verbundes ist gleichbleibend auf einem sehr hohen Niveau. Dadurch, dass beispielsweise Gruppentherapien aufgrund der Kontaktbeschränkungen entzerrt werden, sind viele Anwendungen noch intensiver und individueller als vorher. Die Patienten genießen daher in der Therapie viele Vorteile.

Welche Einschränkungen gibt es?

Dr. Norbert Hemken: Aufgrund der Hygienevorschriften sind einzelne Therapien, dazu gehört der Wassersport, im Moment nicht möglich. Die Therapieinhalte werden durch vergleichbare Anwendungen ersetzt. Darüber hinaus ist der soziale Bereich unter den Rehabilitanden aufgrund der geltenden Vorschriften eingeschränkt. Gemeinsame Freizeitangebote in größeren Gruppen werden aktuell nicht angeboten.

Welche Herausforderungen bedeutet die Corona-Krise für die Rehabilitation?

Dr. Norbert Hemken: Die größte Herausforderung ist sicherlich der Kostenfaktor. Viele Rehakliniken stellen 100 Prozent ihrer Leistungen zur Verfügung, können aber aufgrund der zahlreichen Auflagen nur rund zwei Drittel der Betten belegen. Dies ist auf Dauer kein haltbarer Zustand. Wir haben bereits zahlreiche Gespräche auf regionaler als auch auf Bundesebene unter anderem zu den Pflegesätzen der Kostenträger geführt – eine Lösung ist noch nicht in Sicht.

Wie wird - falls das nötig ist - entschieden, welche Patienten zuerst behandelt werden?

Dr. Norbert Hemken: Aufgrund der reduzierten Kapazitäten kommen viele Rehakliniken langsam an ihre Grenzen. In den kommenden Wochen wird es sicherlich eine vermehrte Anfrage geben, die nicht mehr zu 100 Prozent bedient werden kann. Das schmerzt besonders. Welcher Patient dann zuerst aufgenommen wird, ist abhängig von verschiedenen Faktoren, dazu gehören Verträge, Fristen und Kostenträger.

Welche Folgen kann es haben, wenn die Rehabilitation nicht früh genug beginnt?

Dr. Norbert Hemken: Man sollte hier zwischen einer Anschlussheilbehandlung und einem Heilverfahren unterscheiden. Für einen Patienten, der direkt aus dem Krankenhaus kommt und nicht direkt in die empfohlene Rehabilitation verlegt wird, kann dies gravierende Folgen haben.

Rehakliniken mit Hilfsangebot

Akutkliniken sollen durch Kapazitäten in Fachkliniken entlastet werden

Der Verband Norddeutscher Reha-Kliniken (VNR) spricht sich deutlich dafür aus, dass Rehakliniken mit ihrer hohen medizinischen Kompetenz jetzt solidarisch ihren Beitrag in der herausfordernden Zeit der Corona-Pandemie leisten. So wollen schon bald einige zum Verband gehörende Fachklinken starten und die ersten „Nicht-Corona Fälle“ aus den Akuthäusern aufnehmen. „Wir befinden uns in einer absoluten Ausnahmesituation. Mit dieser Maßnahme können wir die dringend benötigten Betten in den Krankenhäusern für Corona-Patienten freihalten“, sagt Dr. Norbert Hemken, Vorstandsvorsitzender des Verbundes Norddeutscher Rehakliniken. „Gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen des VNR haben wir uns schnell und unbürokratisch dazu entschieden, zu helfen und in guter und geübter Weise mit den Akutkliniken zusammenarbeiten zu wollen.“

Das Reha-Zentrum am Meer in Bad Zwischenahn hält bereits das neue Gebäude der Onkologieerweiterung, in das eigentlich im April 70 neue Patienten untergebracht werden sollten, aus aktuellem Anlass frei. „Wir halten unsere Klinikerweiterung proativ frei, so dass wir in der nächsten Woche starten könnten, wenn wir gebraucht werden“, sagt Dr. Norbert Hemken. Dies wären 70 Betten. Insgesamt könnte der Verband maximal 4.400 Betten in Norddeutschland zur Verfügung stellen. Insbesondere für Patienten, die aktuell in Krankenhäusern, zum Beispiel nach Operationen, Knochenbrüchen, Verkehrsunfällen oder mit Blutzuckererkrankungen versorgt werden.

Ein großer Teil der Mitglieder der Landesarbeitsgemeinschaft Medizinische Rehabilitation Nordrhein-Westfalen macht es bereits vor. Patienten der Gesetzlichen Krankenversicherungen in Nordrhein-Westfalen werden seit Donnerstag, 19. März, ohne eine vorherige Kostenzusage der Krankenversicherung aufgenommen. Die Maßnahme ist zunächst bis zum 31. Mai 2020 beschränkt.

Der VNR hat das Sozialministerium Niedersachsen sowie alle Krankenkassen zu diesem Thema angeschrieben. Eine offizielle Zusage für das Vorhaben gibt es von der Politik in Niedersachsen noch nicht. Die neue Rechtsverordnung des Landes, nach der auch in Rehakliniken nur noch Fälle von dringender medizinischer Notwendigkeit zu behandeln sind, geht aber in die gleiche Richtung. „Ich hoffe, dass wir unser Vorhaben schnell auf den Weg bringen und den akuten Behandlungsbedarf damit entlasten können“, so Dr. Norbert Hemken weiter. Szenarien gibt es viele. So könnten beispielsweise Krankenhäuser ganze Abteilungen auslagern und besonders schützenswerte Patienten mit einem geschwächten Immunsystem in die Rehakliniken schicken, um diese so vor einer Ansteckung zu schützen. Denkbar sei ebenso, Reha-Kliniken komplett umzuwandeln, damit sie Corona-Patienten aufnehmen, die nicht beatmet werden müssen.

Gesetzentwurf mit Kraftreserve

Verbund Norddeutscher Rehakliniken (VNR) begrüßt Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Stärkung der Rehabilitation

Inhalte gehen noch nicht weit genug

Aktuell hat das Bundeskabinett den Entwurf des Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz (IPREG) beschlossen. Wesentlicher Bestandteil dieses Gesetzgebungsverfahrens ist eine bedarfsgerechte und zügige Leistungsentscheidung der Krankenkassen bei der Genehmigung geriatrischer Rehabilitationsleistungen. Darüber hinaus soll der gemeinsame Bundesausschuss entscheiden, ob weitere Rehabilitationsleistungen im Anschluss an die Krankenhausbehandlung von diesem vereinfachten Zugangsverfahren profitieren sollen. Eine weitere wichtige Änderung des Gesetzentwurfes betrifft die Abschaffung der sogenannten Grundlohnrate. Dadurch ist die Refinanzierung höherer Personalkosten in den Rehabilitationseinrichtungen möglich.

Dr. Norbert Hemken, Vorstandsvorsitzender des Verbundes Norddeutscher Rehakliniken (VNR), begrüßt den Gesetzentwurf als eine wichtige Grundlage, um bürokratische und teilweise langwierige Genehmigungsverfahren der Krankenkassen abzukürzen. Allerdings gehen ihm die Inhalte nicht weit genug: „Reha-Leistungen sollen nach Verordnung durch Haus- und Fachärzte ohne Genehmigung der Krankenkassen erbracht werden. Die Krankenkassen haben sich durch ihre Vorgehensweise nach Kassenlage zu genehmigen, selbst diskreditiert.“

Auch in seiner Position als Vorsitzender des Heilbäderverbandes Niedersachsen e. V. betrachtet Dr. Norbert Hemken die aktuelle Situation der Rehakliniken kritisch und sieht im Gesetzentwurf noch einige Kraftreserven: „Von den Ostfriesischen Inseln, über das Weserbergland bis zum Harz – in mehr als 20 unserer Mitgliedsorte findet die wesentliche Versorgung durch Rehakliniken statt. Sie bilden die tragende Säule der kurörtlichen Landschaft und sind hier nicht wegzudenken. Die Mitarbeiter in den Rehakliniken kämpfen tagtäglich gegen eine Antragswut, unbegründete, intransparente Ablehnungen von Reha-Anträgen und eine zu geringe Vergütung der Reha-Maßnahmen.“ Das müsse sich, auch im Sinne des dringend benötigten Fachpersonals, zeitig ändern.

Gemeinsam Gehör finden aktuell mehr als 250 Reha-Einrichtungen, der Bundesverband Deutscher Privatkliniken e. V. und der Arbeitskreis Gesundheit durch die Kampagne „Reha. Macht’s besser.“ Weitere Informationen dazu gibt es unter: www.rehamachtsbesser.de

Der Verbund Norddeutscher Rehakliniken e. V. (VNR) ist die Plattform der maßgeblichen Rehabilitationseinrichtungen des Nordens mit Schwerpunkt in Niedersachsen, die sich der qualitätsorientierten Weiterentwicklung der Rehabilitation verschrieben haben. Viele der Einrichtungen sind in strukturschwachen Orten gelegen und sind dort meist der größte Arbeitgeber. Diese Einrichtungen sind für die Erbringung von Leistungen der Renten, Kranken- und Unfallversicherung unverzichtbar.

VNR meets

Rudolf Henke zu Gast im Reha-Zentrum am Meer in Bad Zwischenahn

Auf Einladung von Dr. Norbert Hemken, in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Verbundes Norddeutscher Rehakliniken (VNR), war Rudolf Henke zu Gast im Reha-Zentrum am Meer in Bad Zwischenahn. Der Internist und Politiker ist Vorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Präsident der Ärztekammer Nordrhein und seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestags. In einem lockeren Austausch, gemeinsam mit anderen Vertretern aus Rehakliniken im Norden, standen insbesondere die Auswirkungen des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes auf die medizinische Rehabilitation im Fokus. Durch seine langjährige Erfahrung im Gesundheitswesen lieferte der zuständige Berichterstatter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Rehabilitation wichtige Impulse. So auch zu den Punkten Reha-Zugang, Grundlohnsumme oder Klinikwahl durch den Patienten. Hier sahen alle Teilnehmer aus Sicht der Rehabilitationskliniken dringenden Handlungsbedarf seitens der Gesetzgebung. Der Austausch fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „VNR meets“ statt. Zu diesem Format werden regelmäßig Gäste aus Politik und Wirtschaft eingeladen, um gemeinsam mit Mitgliedern des VNR über aktuelle Themen zu diskutieren.

Hintergrundinformationen VNR: Der Verbund Norddeutscher Rehakliniken e. V. (VNR) ist die Plattform der maßgeblichen Rehabilitationseinrichtungen des Nordens mit Schwerpunkt in Niedersachsen, die sich der qualitätsorientierten Weiterentwicklung der Rehabilitation verschrieben haben. Viele der Einrichtungen sind in strukturschwachen Orten gelegen und sind dort meist der größte Arbeitgeber. Diese Einrichtungen sind für die Erbringung von Leistungen der Renten-, Kranken- und Unfallversicherung unverzichtbar.

VNR meets

Foto: Geschäftsführer und Kurdirektor Dr. Norbert Hemken (3.v.l.) und Ulrich Hegermann, Kaufmännischer Direktor (Mitte), begrüßten gemeinsam mit anderen Vertretern aus Rehakliniken im Norden Rudolf Henke (2.v.r.) im Reha-Zentrum am Meer in Bad Zwischenahn.

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